Behind The Pic (1): Sensible Soccer

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Es kommt öfter mal vor, dass ich nach der Entstehungsgeschichte zu meinen Bildern gefragt werde. Dieses Interesse an meiner Arbeit freut mich natürlich — und da es offenbar bei zahlreichen Leuten vorhanden ist, möchte ich diese kleinen Geschichten künftig gerne teilen. Dazu werde ich Bilder auswählen, zu denen ich oft gefragt werde, oder die ich besonders interessant finde — natürlich nehme ich auch gerne Vorschläge zu vorzustellenden Bildern entgegen.

Seit Fifa 96 haben wir uns nach und nach daran gewöhnt, dass Fußballspiele am PC von der Seitenlinie aus gesehen werden. Das war nicht immer so! In den 90ern, damals allerdings eher noch auf dem Amiga, war die Ansicht von oben auf das Spielfeld noch üblich. Genau daran — also insbesondere an Sensible Soccer — erinnerte mich dann auch die Szene auf dem Foto. Allerdings kam mir dieser Gedanke erst, als ich das Foto in Lightroom vor mir hatte. In dem Moment, als ich auf den Auslöser gedrückt hatte, hatte ich das überhaupt nicht im Kopf.

Screenshot aus Sensible Soccer (stammt von MobyGames)

Bisher ist noch niemandem gelungen, den Aufnahmeort dieses Fotos zu erraten. Wie auch, es enthält keine wirklich markanten Umgebungsmerkmale. Die Perspektive könnte vielleicht Anhaltspunkte geben. Wo könnte man aus der Höhe einen Fußballplatz fotografieren? Eine Höhe von 115,7 Metern, um genau zu sein? Nein, da kann man nicht drauf kommen, wenn man nicht zufällig neben diesem Fußballplatz wohnt. Er gehört zum Centre Sportif Emile Anthoine und befindet sich an der Avenue de Suffren, direkt am Eiffelturm.

Vergangenes Jahr war der Andrang in Paris erstaunlich dünn — möglicherweise als Folge der Terroranschläge einige Monate zuvor. Es war natürlich trotzdem noch relativ voll — aber verglichen mit den Zuständen vor einigen Jahren konnte man fast von Leere sprechen. In den Louvre zu kommen, dauerte beispielsweise nur fünfzehn Minuten. Von den Menschenmassen, die sonst in Form der Warteschlange den Platz vor der Glaspyramide bevölkern und stundenlang ausharren, um endlich an die Kasse zu kommen, war nichts zu sehen. Folglich konnte man innerhalb eines Tages auch eine ganze Menge zu sehen bekommen — und sich auch am frühen Abend noch am Eiffelturm in die Schlange stellen. Auch hier dauerte es nur eine halbe Stunde bis zum Aufzug.

So stand ich schließlich gegen 19 Uhr auf der Plattform der zweiten Etage des Eiffelturms. Unabhängig davon, dass ich mich sowohl wegen der Höhe und dem heftigen Wind (ich hatte mir eingebildet, der Turm würde heftigst schwanken) etwas unwohl fühlte, machte ich von jeder Ecke der Plattform aus zahlreiche Fotos des bis zum Horizont reichenden Häusermeeres. Ein schönes Rundum-Panorama bekam ich leider nicht wirklich zustande. Das kleine Stativ, das ich an meinem Fotorucksack bei Städtetrips mit mir herumtrage, war nicht hoch genug, um über das Geländer zu reichen — und von Hand ein ordentliches Panorama aus mehreren Fotos zu machen, ist nicht so einfach. Das Foto von dem Fußballplatz machte ich dabei nur so nebenher, um damit den 200-mm-Zoom des Fujinon XF 55–200 mal auszuprobieren. Danach hatte ich das Motiv aber sofort wieder vergessen.

Erst beim Sortieren kam mir dann, wie gesagt, der Gedanke an Sensible Soccer und plötzlich gefiel mir dieser Gelegenheits-Schnappschuss. Bei der Entwicklung der RAW-Aufnahme war dann gar nicht viel Nachbearbeitung nötig. Ich habe das Foto etwas beschnitten, da die Personen auf dem gesamten Bild nicht mittig waren. Als Farbprofil habe ich die Fuji-Filmsimulation Classic Chrome verwendet — diese ist in Lightroom ziemlich gut abgebildet, wenn auch nicht völlig identisch mit einem JPEG, das direkt aus der Kamera kommt. Außerdem habe ich die Sättigung der Grüntöne etwas reduziert und eine starke dunkle Vignettierung hinzugefügt.

Und so entstand das Bild Sensible Soccer. Übrigens wird es von der Fußball-Nachrichtenseite das-run.de als Titelbild verwendet.