Sortieren in Lightroom

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Es gibt zahlreiche Optionen zum Verwalten und Sortieren von Fotos. Am häufigsten wird wahrscheinlich Lightroom eingesetzt. Auch ich arbeite nach zahlreichen Experimenten mit Lightroom, weshalb sich die im folgenden beschriebene Vorgehensweise auf Lightroom bezieht. Andere Programme verfügen über ähnliche Werkzeuge, deshalb sollten sich der grundlegende Ablauf auch dort umsetzen lassen.

Normalerweise durchläuft ein Foto mehrere Bearbeitungsschritte, wahrscheinlich befinden sich auch immer zahlreiche Fotos in den verschiedenen Bearbeitungsschritten.

Meiner Erfahrung nach — die sich mit dem deckt, was man ansonsten im Internet lesen kann — sollte man es vermeiden, mehrere Lightroom-Kataloge parallel einzusetzen. Betreibt man professionelle Fotografie oder ist Fotografie zumindest ein ambitioniertes Hobby, so befinden sich in Lightroom daher sowohl Privataufnahmen als auch „beruflich“ genutzte Fotos. Je mehr Fotos das sind, desto schwieriger wird es natürlich, einzuprägen, welches Foto sich gerade in welchem Schritt befindet und welches Foto davon privaten und welches beruflichen Ursprungs ist.

Genau diese Sortierung soll im Workflow erfolgen, am besten funktioniert dies mit möglichst wenig manueller Sortierarbeit. Anfangs hatte ich beispielsweise versucht, die Sortierung durch manuelles Verschieben der Fotos zwischen Sammlungen zu erreichen und die Fotos je nach Bearbeitungsschritt in verschiedene Sammlungen einzusortieren. Natürlich ging das nicht lange gut, und nach kurzer Zeit hatte ich den Überblick verloren. Zumindest hatte ich dabei gelernt, dass man möglichst mit „Smart-Sammlungen“ arbeiten sollte. Jetzt gilt es nur noch, die zahlreichen Kategorisierungsmöglichkeiten (Farbmarkierungen, Bewertung, …) so zu verwenden, dass sie eine möglichst weitgehend automatische Sortierung erlauben.

Ich hatte zahlreiche Varianten dazu ausprobiert und verschiedene Artikel dazu gelesen. Den nützlichsten Ansatz hat meiner Meinung nach Dan Morris (siehe http://www.danmorris.com/complete-lightroom-workflow) Seine Vorgehensweise werde ich in den folgenden Beschreibung als Grundlage benutzen.

Verwendung der Kategorisierungsmöglichkeiten

Sowohl die Fähnchen als auch Farbmarkierungen und Sterne werden verwendet. Das mag auf den ersten Blick komplex erscheinen, zumal ja oft empfohlen wird, auf diese Attribute gänzlich zu verzichten. Aber wie wir gleich sehen werden, wird die Nutzung der vielen Attribute die Arbeit der Sortierung sogar vereinfachen.

Fähnchen (Markierungen)

Die Markierungen werden gemäß ihrer Bezeichnung verwendet — „Markiert“, „Unmarkiert“ und „Abgelehnt“:

  • Markiert: Die Fotos gehen in den weiteren Workflow.
  • Unmarkiert: Die Fotos werden erstmal einfach liegen gelassen.
  • Abgelehnt: Die Fotos stehen zur Löschung an. Dies sollten zunächst alle wirklich ungeeigneten und nicht nutzbaren Fotos wie z.B. verwackelte oder schlicht unschöne sein.

Bewertungen

Meistens ist es nicht einfach, Bewertungen zu vergeben, insbesondere bei fünf Abstufungen. Man kann sehr viel Zeit damit verbringen, zu überlegen, ob man denn nun zwei, drei oder vier Sterne vergibt (bei einem oder fünf ist man sich meistens schnell sicher).

Deshalb ist es hilfreich, diesen Sternen ein eindeutiges Kriterium zuzuordnen:

  • : Zu schade zum Löschen aber archivieren. Fotos, die nicht so gut sind, dass sie weiter zu bearbeiten wären, aber dennoch zu schön, um gelöscht zu werden. Beispielsweise auch Varianten eines Motivs, das man mehrfach fotografiert hat.
  • ★★: Auftragsarbeiten für Kunden. Keine eigene Bewertung, die Bilder müssen aber weiterbearbeitet werden.
  • ★★★: Gute Bilder, die es wert sind, weiterbearbeitet werden. Dies sind Bilder, die z.B. zur Veröffentlichung (oder zum Verkauf) geeignet sind.
  • ★★★★ und ★★★★★: Dies sind die sehr guten oder herausragenden Bilder. Man sollte sehr sparsam mit diesen Bewertungen umgehen. Ich vergebe eigentlich fast nie vier Sterne. Fünf Sterne bekommen nur die Bilder, die ins Portfolio kommen sollen.

Farbmarkierungen

Die Fotos, die in die Weiterbearbeitung gehen, bekommen dann Farbmarkierungen. Dazu werden die Farbmarkierungen mit eigenen Bezeichnungen versehen, die ebenfalls der Sortierung helfen werden:

  • RotPrivates Foto. Dies sind die Fotos von Urlauben, von Familienfeiern, die Erinnerungswert haben, aber nicht anderweitig (z.B. verkauft) werden sollen. Im weiteren Workflow sind diese Fotos nicht mehr enthalten.
  • GelbRetusche erforderlich. Diese Fotos sind fertig in Lightroom entwickelt, müssen aber in einem externen Programm noch retuschiert werden.
  • GrünRetuschiert — kein Master. Diese Fotos sind fertig entwickelt und wurden in einem externen Programm bearbeitet. Es sind aber nicht die Master, da diese erst durch die Retusche entstanden sind.
  • BlauMaster. Diese Fotos sind fertig entwickelt und wurden ggf. auch in einem externen Programm bearbeitet. Trifft das zu, gibt es ein zugehöriges grün markiertes Foto.
  • LilaVeröffentlicht. Diese Fotos sind fertig entwickelt und wurden veröffentlicht (Internet, Galerie, etc.). Dieser Schritt ist optional, da die Veröffentlichungsverwaltung auch anderweitig erfolgen kann.

Smart-Sammlungen für Bearbeitungsschritte

Mit den genannten Kategorisierungen pro Foto kann man sich bei der Sortierung auf ein einzelnes Foto konzentrieren und muss sich keine Gedanken darüber machen, es von einer Sammlung in die nächste zu schieben. Denn das geschieht über die Smart-Sammlungen.

Anhand ihrer zugewiesenen Attribute durchlaufen die Fotos dann mehrere Stufen.

  1. Unsortiert: Alle Fotos nach Import (Markierung: Keine, Bewertung < 1, Farbe ≠ Rot).
  2. Vorsortiert: Fotos nach der ersten Sortierung (Markierung: Markiert, Bewertung < 1, Farbe ≠ Rot).
  3. Zur Entwicklung: Fotos, die in Lightroom entwickelt werden (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe ≠ Rot, Farbe ≠ Gelb, Farbe ≠ Grün, Farbe ≠ Blau, Farbe ≠ Lila).
  4. Zur Entwicklung (Kunden): Fotos, die für Kunden entwickelt werden (Markierung: Markiert, Bewertung = 2, Farbe ≠ Rot, Farbe ≠ Gelb, Farbe ≠ Grün, Farbe ≠ Blau, Farbe ≠ Lila).
  5. Zur Retusche: Fotos, die in einem externen Programm bearbeitet werden sollen (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Gelb).
  6. Retusche erfolgt. Originale der Fotos, die in einem externen Programm bearbeitet wurden (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Grün).
  7. (Meta) Stichwörter fehlen. Fotos, die fertig bearbeitet und retuschiert sind, die aber keine Stichwörter haben (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Blau, Stichwörter = Ist Leer).
  8. (Meta) Beschreibung fehlt. Fotos, die fertig bearbeitet und retuschiert sind, die aber keine Beschreibung haben (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Blau, Bildunterschrift = Ist Leer).
  9. (Meta) Position fehlt. Fotos, die fertig bearbeitet und retuschiert sind, die aber keine Positionsdaten haben (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Blau, GPS-Daten = Keine Koordinaten).
  10. (Meta) Copyright fehlt. Fotos, die fertig bearbeitet und retuschiert sind, aber denen kein Copyright zugewiesen wurde (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Blau, Copyright-Status = Unbekannt).

Danach sind die Fotos fertig entwickelt und komplett beschriftet. Dabei befinden sich allerdings alle Kundenfotos (Bewertung = 2) in einem Ordner und können die Bearbeitungsschritte dort durchlaufen. Wer sehr viele Auftragsarbeiten durchführt, kann die separaten Sammlungen oben auch für die Kundenarbeiten nutzen. In dem Fall ist bei den Kriterien jeweils Bewertung = 2 statt Bewertung > 2 zu setzen.

Smart-Sammlungen zur Sortierung nach Bearbeitung

Die fertig entwickelten und beschrifteten Fotos sind die finalen Master. Diese werden dann in weiteren Sammlungen verteilt:

  1. Master final: Fertig bearbeitete und beschriftete Fotos (Markierung: Markiert, Bewertung > 2, Farbe = Blau, Sammlung enthält nicht „(Meta)“).
  2. Master final (Kunden): Fertig bearbeitete Fotos für Kundenaufträge (Markierung: Markiert, Bewertung = 2, Farbe = Blau). Beschriftungen sind hier kein Ordnungskriterium.

Außerdem gibt es noch einige Smart-Sammlungen für die persönlichen Fotos (also alles mit Farbe = Rot). Bei den privaten Fotos sind mit Stichwörter und Position besonders wichtig, deshalb habe ich dafür separate Smart-Sammlungen ergänzt.

Danach die manuellen Sammlungen

Die fertigen Master können danach in verschiedene Alben (die wiederum Sammlungen sind) verteilt werden. Fotos können ja bekanntermaßen in verschiedenen Sammlungen gleichzeitig sein, deshalb ist dabei eine beliebige themenbezogene Sortierung möglich.

Zudem kann man noch verschiedene Veröffentlichungsdienste einrichten. So werden beispielsweise die fertigen Master mit Wasserzeichen als JPEG auf der Festplatte abgelegt oder zu einem Dienst wie Smugmug hochgeladen.

Ob man nun die exportierten Bilder wieder nach Lightroom importiert oder nicht und ob oder wie man diese sichert, ist eine separate Diskussion, die wir in einem separaten Artikel besprechen werden.